Ein Anti-Fashion-Manifest

Jule Kautt, Januar 2026

Ich weigere mich, die kapitalistische Logik von Ausbeutung, Wachstum und Profitmaximierung als das einzige funktionierende System anzuerkennen. Ich weigere mich, daran teilzunehmen und will ein System der anerkennenden Zusammenarbeit etablieren.

Ich weigere mich, die Augen zu schließen vor den Konsequenzen, die die Modeindustrie gegenüber Mensch und Welt zu verantworten hat, im Gegenteil exponiere ich sie und fordere, dass sich ihr System fundamental ändern, wenn nicht sogar auflösen muss!

Ich weigere mich, das Visuelle als Ausgangspunkt und Inhalt vorauszusetzen. Das Visuelle ist für mich Mittel zum Zweck und der Zweck ist, die Botschaft zu überbringen oder Gefühle oder Funktionen im Zusammenspiel zwischen Körper, Kleidung und Umwelt zu ermöglichen. Schönheit ist auch ein Zweck, aber das Visuelle allein reicht nicht.

Ich weigere mich, cool und trendy zu sein und stelle stattdessen Authentizität an oberste Stelle.

Ich weigere mich, Mode als festes Konzept aus ökonomischen Strukturen und begehrenswerten Produkten zu sehen. Ich weigere mich, eine Grenze zwischen Mode, Kunst und Aktivismus zu ziehen.

Ich weigere mich, Models als austauschbare Objekte zu betrachten und arbeite daher nur mit Freund*innen und inhaltlich Beteiligten zusammen.

Ich weigere mich, die Konfektionsgröße 38 als Maßstab zu setzen. Die Realität vielfältiger Körper muss repräsentiert werden.

Ich weigere mich, Kleidung in Genderkategorien zu entwerfen. Ich will mitarbeiten an einer Zukunft, in der Genderzuschreibungen überflüssig werden.

Ich weigere mich, finanziellen Erfolg als größten Erfolgsmaßstab zu sehen. Konsequenz ist wichtiger als Rentabilität. Finanzielles Scheitern bedeutet nicht unbedingt inhaltliches Scheitern.

Ich weigere mich, mich zu beugen vor vermeintlich unverbesserlichen, alternativlosen Praxen, wenn jene Praxen destruktiv sind. Das gilt für Herstellungsmethoden, Systeme und Philosophien.

Ich bin mir bewusst darüber, dass ich meine eigenen Ansprüche nicht alle auf einmal einlösen kann, denn die Transformation der Modeindustrie ist ein Prozess, der nur gemeinsam mit vielen Verbündeten gelingen kann. In diesem Zusammenhang ein Verweis auf das Just Transition Manifest der Kampagne für saubere Kleidung: https://manifesto.cleanclothes.org/processes/about-just-transition